Nächste Veranstaltung:
DER PROZESS
1. Familienaufstellungen im morphogenetischen Feld des Familiensystems
Während einer Aufstellung tritt immer das Thema zutage, das an der Oberfläche liegt, auch wenn der Klient sein Anliegen anders formuliert hat. Wie Bert Hellinger sagt: Man schaut dorthin, wo die Energie ist, und damit wird gearbeitet.
Wenn der Klient im Dienst seines Familiensystems steht und im Schicksal eines Vorfahren verstrickt ist, wird er das Thema des verlorenen Zwilling kaum als sein eigenes wahrnehmen können. Daher ist die erste Arbeit immer eine klassische Aufstellung.
Wenn ein Klient hingegen bereits mit der Methode der Familienaufstellungen oder anderen Methoden gearbeitet hat und sich immer noch nicht im Lebensfluss befindet, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Erleben als Alleingeborener Zwilling am Ursprung vor.
Meine praktische Arbeitserfahrung erlaubt mir zu schreiben:
Es gibt verschiedene Dynamiken bezüglich des Zwillingserlebens, die den Überlebenden auf unterschiedliche Weise in Verstrickungen einbeziehen.
Ein „Nicht-Zwilling“, ein Zwilling in einer privilegierten Position in seiner Fruchtblase – weiter oben und in Kontakt mit dem mütterlichen Organismus – weiß, was sein Platz im Leben ist, und handelt immer nur von dort aus. Er kann unterbrochene Hinbewegungen zur Mutter und/oder zum Vater haben. Er muss daher die Bewegung wieder aufnehmen und zurück in das Fließen zu den Eltern finden, sich dort wieder verbinden, wo sein Leben herkommt, und dem gesamten, auch traumatischen Erleben bestimmter Familienschicksale zustimmen. Es handelt sich jedoch nicht um Verstrickungen: Der Überlebende ist im „Tun“, immer proaktiv und mit einem „natürlichen Vertrauen“ in die Fähigkeit, Lösungen im Leben zu finden. Ein Beweis dafür ist, dass der Nicht-Zwilling-Klient während der Aufstellung immer an seinem Platz bleibt.
Es ist der eher „erdrückte“ und leidende überlebende Zwilling, der sich bewegt, um den Platz des Vorfahren einzunehmen, mit dem er verstrickt ist.
2. Familien- und Systemaufstellung im morphogenetischen Feld des Zwillingssystems der Mutter und/oder des Vaters
Hier wird die Verstrickung des Klienten mit dem verschwundenen Zwilling des Elternteils beobachtet. Der Klient ist für das Elternteil wie eine ältere oder jüngere Schwester bzw. ein Bruder. Manchmal ist zu beobachten, dass der Klient den Platz eines Bruders/einer Schwester in der anderen Fruchtblase des Elternteils eingenommen hat.
Wenn ein Klient die Position des verschwundenen Zwillings des Elternteils eingenommen hat, bewegt er sich in der Aufstellung nicht; er bleibt starr, steif, blickt zum Leben, sieht es, geht aber nicht darauf zu.
Wenn man den Klienten hinter das Elternteil stellt, beobachtet man, dass er eine fusionale Position in dessen Rücken einnimmt.
Mit anderen Worten: Der Klient erlaubt sich nicht, sich in seinem eigenen Leben zu bewegen, da sonst die Unterstützung wegfällt, die er dem Vater/der Mutter im Rücken gibt. Tatsächlich beobachtet man, dass das Elternteil nach hinten fällt, wenn es nicht vom Klienten gestützt wird. Erst durch die Integration des fehlenden Zwillings des Elternteils ist der Klient frei, diese Position zu verlassen und sich dem eigenen Leben zuzuwenden.
3. Aufstellung angesichts des Lebens
Wenn der Klient ein überlebender Zwilling ist, weicht er vor dem Leben zurück.
Indem man Stellvertreter hinter ihn setzt, geht der Klient auf sie zu, setzt sich zu ihnen und atmet tief durch. Er fühlt sich zu Hause angekommen.
Hier beginnt bereits die Unterscheidung zwischen großem und kleinem Zwilling. Ein kleiner Zwilling erkennt in seiner hierarchischen Zwillingsordnung sofort die Anziehung zu seinen Geschwistern. Ein großer Zwilling benötigt in seiner Zwillingsordnung viele Stellvertreter, bevor er sich als Teil dieser Gruppe fühlt.
Erst jetzt ist er bereit, seine Arbeit „unter dem Schleier“ zu beginnen.
4. Arbeit unter dem Schleier mit Hilfe von Kissen und Figuren
Das intrauterine Leben des Klienten wird ab dem Moment, in dem er allein in seiner Fruchtblase zurückblieb, rückwärts durchlaufen, bis zum Anfang, als alle Geschwister in allen Blasen, die zu seinem Zwillingssystem gehören, noch am Leben waren.
Während dieser Arbeit geht man vom Zustand des Klienten, der nach dem letzten Trauma allein zurückblieb, rückwärts vor und beobachtet die wiederholten Traumata und die verschiedenen Neuorganisationen bis hin zur ersten Bindung: dem Spiegelzwilling/der Spiegelzwillingsschwester.
Diese Arbeit schafft eine erste Erfahrung von Ganzheit, Vollständigkeit und Glückseligkeit, die vom Klienten gespeichert und in den folgenden Arbeiten bis zum Abschluss des Prozesses verfolgt wird.
5. Arbeit unter dem Schleier mit Hilfe von Stellvertretern für die verschwundenen Zwillingsgeschwister
Das intrauterine Leben des Klienten wird von Anfang an, als alle Geschwister in allen Blasen seines Zwillingssystems am Leben waren, in der zeitlichen Abfolge der Ereignisse bis zur Geburt durchlaufen.
Der Klient hat die Möglichkeit, seine Wahrnehmungen und Körperempfindungen zu spüren. Nach und nach erkennt er seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Zwillingen und zu einem speziellen Zwilling, über den er sich identifiziert. Er durchlebt die Bindungen, die er zu ihnen aufgebaut hatte, die Empathie für ihr Leiden und ihr Verschwinden sowie die angewandten Überlebensmechanismen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass der Überlebende nicht in der Lage ist, den Tod zu begreifen. Umso mehr leidet er unter dem Verschwinden der Geschwister, dem Verlassenwerden und dem Ausschluss.
Es gibt immer einen Bruder/eine Schwester, dessen Tod die unterbrochene Hinbewegung verursacht.
Hier muss der Aufsteller die Aufmerksamkeit ansetzen: Erst durch das Anerkennen des Schmerzes über den Verlust dieses Bruders kehrt der Klient in das Fließen zurück und nimmt seine Lebensbewegung wieder auf. Von hier aus kehrt er auch in das Fließen zu all seinen anderen Geschwistern zurück, durch Empathie und das Bewusstsein für ihr Schicksal, das er nun ehren kann.
Diese Phase der Arbeit sollte mindestens dreimal wiederholt werden. Das System ist sehr umfassend, alle wichtigen Beziehungen müssen zum Vorschein kommen.
Ebenso muss der Klient den Zustand in seiner Fruchtblase im Verhältnis zu den anderen erkennen: Der Blick, den er aus seiner Blase heraus auf die andere(n) Blase(n) hat, wird sein Blick auf die Welt sein. Eine der Blasen repräsentiert immer die Arbeitswelt. Zudem gibt es immer eine Fluchtblase.
Während der Aufstellungen unter dem Schleier beobachtet man das Auftauchen dessen, was in der Seele des Klienten an der Oberfläche liegt – was also der letzten im Mutterleib erlebten Phase entspricht, in der der Klient offensichtlich „steckengeblieben“ ist. Dabei werden die Ordnungen der Liebe beobachtet: Zugehörigkeit, Rangordnung und der Ausgleich zwischen Geben und Nehmen.
6. Aufstellung der Hinbewegung zum Leben
Ab einem bestimmten Punkt im Prozess ist der Klient bereits im Leben angekommen. Das Erkennen der Geschwister und der angewandten Überlebensstrategien verbessert die Lebensqualität, gibt dem Körper Sauerstoff zurück und damit die notwendige Energie, um das eigene Wohlbefinden und die eigenen Ziele zu verwirklichen.
In der letzten Aufstellung steht der Klient vor dem Leben und vollzieht seine Lebensbewegung, die Hinbewegung zu Mutter und Vater.
Die ersten Schritte des Prozesses können zeitlich recht nah beieinander durchgeführt werden.
Sobald der Klient mit Stellvertretern unter dem Schleier arbeitet, ist es ratsam, mindestens sechs Wochen bis zur nächsten Arbeit verstreichen zu lassen. Die Körperzellen werden erschüttert, lassen ihr Gedächtnis los, ändern ihre Zusammensetzung und absorbieren mehr Sauerstoff. Dieser biologische Prozess – auch der Abbau von Giftstoffen – benötigt Zeit, was vom Klienten durch Unruhe, Verwirrung, Verstärkung bestimmter Angstzustände, Traurigkeit oder Wut wahrgenommen werden kann. Die Trauer schließt jede Phase ab. Erst jetzt stellt sich eine andere Bewusstheit ein. Man tritt in ein neues Bewusstsein ein, begleitet von mehr Energie durch die Zellen, die nun den Sauerstoff anders verarbeiten. Der Klient muss auf seinen Körper hören. Erst dann wird er bereit für den nächsten Schritt sein.
Es geht einem also nicht notwendigerweise nach den ersten zwei, drei Sitzungen besser. Es ist ein phasenweise sehr schmerzhafter Weg.
Das Bewusstsein, ein Leben inmitten von Ersatzpersonen gelebt zu haben, wobei man die Automatismen der ersten Lebenserfahrungen wiederholt hat, kann die Beziehungen zu diesen „Zwillingsersatz“-Personen (Eltern, Partner, Kinder, Arbeitskollegen) belasten. Ich bitte meine Klienten immer um große Disziplin.
Ein Beispiel für alle:
Wenn ich im Mutterleib den Verlust eines geliebten verschwundenen Bruders überlebt habe, ist der Impuls der, ihm zu folgen. Man kann beobachten, wie der Klient die Augen schließt, sich nicht mehr bewegt, schläft, apathisch ist. Viele Zwillinge sterben auf diese Weise, indem sie dem anderen in den Tod folgen.
Aus diesem Zustand können wir geweckt werden, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf einen anderen, noch lebenden Zwilling richten. Je mehr ich mich auf diesen konzentriere, desto weniger spüre ich den Mangel des anderen, aber die Qualität der Bindung wird eine andere sein. Ich habe bereits gelernt, dass der andere gehen könnte. Ich werde nicht mehr im vollen Fluss sein, sondern alarmierter, wachsamer und kontrollierter.
Genau dieser wachsame Zustand im Mutterleib rettet mir das Leben.
Oft werde ich genau einen Ersatz für diesen länger gebliebenen Bruder heiraten. Ich werde ihn so ansehen, wie ich meinen Bruder im Mutterleib angesehen habe, und ihm vorwerfen, dass er nicht der andere ist, der so geliebte.
Daher: Wenn Sie nach einer Arbeit unter dem Schleier nach Hause kommen, machen Sie bitte Ihren Partner nicht fertig.
Vielen Dank.